Das Haus in der Stadt vor 1300 

Johannesstraße

Das Haus in der Stadt vor 1300 

Die Stadt ist eine zentrale, prägende Struktur der modernen europäischen Gesellschaft seit dem Hochmittelalter. Dazu ist aus Sicht der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte seit dem 19. Jahrhundert intensiv geforscht worden. Die nordalpine europäische Stadt als bauliche Struktur entwickelte sich im Wesentlichen im 12./ 13. Jahrhundert. Die Übersichtswerke zur gebauten Stadt, die es gibt, prägen bis heute die bildliche Darstellung der frühen mittelalterlichen Stadt. Im Zentrum stand dabei neben dem Sakralbau immer das Wohnhaus der Oberschicht und die Unterscheidung zwischen Stein- und Holzbau. Diese frühen Werke basieren auf dem Forschungsstand der Nachkriegszeit, bevor wichtige neuen Entdeckungen bzw. Methoden und systematische Untersuchungen etabliert wurden (moderne Bauforschung, Mittelalterarchäologie, Dendrochronologie). Erste neue Überblicke und Bilder brachte dabei die städtische Mittelalterarchäologie, vor allem die Grabungen in der Schweiz (Zürich Rindermarkt) und in Lübeck (Alfstraße). Die hieraus resultierenden Stadtdarstellungen mussten jedoch für die Rekonstruktion der obertägigen Bauten auf den alten Forschungsstand zurückgreifen.  

Befeuert durch die neue Datierungsmöglichkeit mittels Dendrochronologie ist den letzten dreißig Jahren durch Bauforschung bekannt geworden, dass es auch obertägig erhaltene Bauten aus der frühen Zeit der Stadtwerdung noch in großer Anzahl gibt. Die Darstellung dieser neuen Erkenntnisse verharrt im Wesentlichen bei Einzelbetrachtungen, die bislang nur für einzelne Orte und Regionen zusammenfassend dargestellt worden sind. Obwohl durch die zahlreichen jüngeren Einzelstudien zu hochmittelalterlichen Profanbauten vielfach widerlegt, wird dennoch bis heute immer wieder auf die bekannten älteren, irreführenden Stereotype zurückgegriffen. Es fehlt schmerzlich ein generalisierender Gesamtüberblick, der die Einzelerkenntnisse zu einem neuen Bild zusammenführt.  

Bezüglich Ausstattung und Gestaltung von Profanbauten ist der Kenntnisstand insgesamt bedeutend schlechter als zum Baukörper selbst. Oftmals fehlen sogar Einzeluntersuchungen. Hier sind die in den letzten 30 Jahren durch Bauforschung usw. bekannt gewordenen hochmittelalterlichen Häuser kaum untersucht, so dass allein die allenfalls mit spätmittelalterlichen Befunden beginnenden Überblickswerke die Vorstellung von profanen Raumfassungen prägen.  

Verknüpft werden im Projekt die bauhistorischen, archäologischen und restauratorischen Befunde und Funde mit zeitgenössischen Texten: Groß- und Kleinepen der Zeit werden hinsichtlich ihrer oft auch nur beiläufigen Hinweise zu Stadt- und Hausstrukturen ausgewertet. Erste Ergebnisse zeigen, dass hiermit Lücken in der Rekonstruktion der Architekturentwicklung geschlossen werden können. 

Das Projekt betrachtet die gesamte frühe Stadt auf Basis der Sachzeugnisse: Das Haus in seiner konkreten Erscheinungsform, Ausstattung, Konstruktion und Nutzung, Lage auf der Parzelle, Lage im Stadtraum. Ziel ist eine generalisierende Darstellung vom mittelalterlichen Haus in der Stadt vor 1300. 

 

 

Projektleitung: Dr.-Ing. habil. Barbara Perlich (Technische Universität Berlin), Prof. Harald Wolter-von dem Knesebeck (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Kunsthistorisches Institut) 

Projektgruppe: Prof. Elke Brüggen (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Germanistik)Julia Hurlbeck M.A. (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Kunsthistorisches Institut)Frank Löbbecke M.A. (Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt)Anna Nachtsheim M.A. (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Germanistik), Iris Nießen M.A. (Technische Universität Berlin), Dr. Thomas Nitz (TLDA), Prof. Gabri van Tussenbroek (Universiteit van Amsterdam, Faculteit der Geesteswetenschappen) 

Laufzeit: 3 Jahre (bis 2022) 

Finanzierung: DFG 

 

 

Abb01: Reste einer romanischen Kemenate in einem Bau der 1990er Jahre (Erfurt). 

 

 

Abb02: Arbeit der Projektgruppe: Parzellenstruktur der frühen Stadt. 

 

 

Abb03: Arbeit der Projektgruppe: Fassungen im Haus vor 1300. 

 

 

Abb04: Arbeit der Projektgruppe: zeitgenössische Begrifflichkeit. 

 

 

Abb05: Arbeit der Projektgruppe: Exkursionen zu erhaltenen Bauten. 

 

 

Alle Bildrechte: TU Berlin/ Uni Bonn